Abstracts

Plenarvorträge

 

Symposia & Workshops
  Klinische Psychotherapie
  Lebens- und Sozialberatung
  Kinder- und Jugendpsychotherapie
  Pädagogik
Spiritualität und Religion
Spiritualität - eine psychologische Sicht aus Russland

 

Plenarvorträge

Anton Nindl

Spiritualität und Intimität des Herzens

 

Die integrale Kraft des Herzens ist geistig, sie erschließt uns den Wertcharakter des Seins. Ob wir uns selbsttranszendent an Anderes hingeben und Phänomene wie Gehaltensein, Demut, Dankbarkeit und Liebe erleben oder ob wir achtsam horchend in der tiefen Erfahrung unseres intimen Alleinseins den transzendenten, uneinholbaren Grund unserer Personalität erspüren, unser Herz kann uns den Weg zum Wesentlichen, zu erfüllter Existenz weisen. Diese Gedanken und weitere anregende Fragen sollen in das Kongressthema einstimmen.

 

Michael von Brück 

Spiritualität - personale oder transpersonale Entwicklung? 

 

Spiritualität wird oft als Einübung in transpersonale Praxis interpretiert. Damit wird das Verhältnis zur therapeutischen Praxis prekär, die Ich-Stärke und personale Entwicklung im Blick hat. Um die damit verbundenen Probleme klären zu können, sind erstens die Begriffe und Anschauungen hinsichtlich Ich, Person, spiritueller Realität zu klären, zweitens anthropologische Universalia und kulturelle Spezifika bei der spirituellen bzw. meditativen Praxis zu unterscheiden. Der Vortrag wird einige grundsätzliche Klärungen präsentieren.  

 

Kirk J. Schneider 

Jenseits interpersonaler Tiefe: Hin zu einem auf Ehrfurcht basierten Paradigma in existentieller Praxis.

 

In dieser Grundsatzrede werde ich das Konzept einer auf Ehrfurcht basierten existentiellen Praxis einführen. Diese Praxis gründet sich sowohl auf den Prinzipien der existentiellen-humanistischen Therapie als auch auf meinem existentiell-integrativen Ansatz in der Psychotherapie. Existentiell-integrative (EI) Therapie ist ein Weg, um verschiedene therapeutische Verfahrensweisen innerhalb eines übergreifenden existentiellen oder auf Erfahrungen gründenden Rahmens zu erfassen. Es gibt vier grundlegende Haltungen innerhalb des EI-Ansatzes: Gegenwart, das Tatsächliche anführen, Widerstände (oder Selbst-Schutz) aktualisieren und konfrontieren sowie Sinn und Ehrfurcht wieder entdecken. In diesem Vortrag werde ich einen kurzen Überblick über die Prinzipien der EI-Praxis geben, aber mich dabei auf die Wiederentdeckung von Sinn und Ehrfurcht als dem Höhepunkt der einzelnen Phasen der Praxis konzentrieren. Durch Fallbeschreibung und Anekdote werde ich zeigen, wie Sinn und Ehrfurcht (oder Demut und das Wunder des Lebens) über Beziehungen zu anderen Menschen oder spezifische Ziele hinausgehen und auf der Beziehung zum Sein selbst, dem kosmischen Bewusstsein des täglichen Lebens, aufbauen.  

 

Rupert Dinhobl 

Spiritualität. Stellungnahme eines Betroffenen

 

Dieser Vortrag versucht phänomenologisch nachzuzeichnen, was ein Mensch erfährt, der mit Spiritualität in Berührung gekommen ist. Wie wird dadurch der Mensch in seiner Person erfasst? Welche psychischen Bereiche sind davon betroffen? Welche inneren Prozesse werden in Gang gesetzt? Welche Veränderungen sind erkennbar? Diesen Fragen möchte ich anhand meiner eigenen Geschichte auf Grundlage der Personalen Existenzanalyse (PEA) nachgehen.

 


Alfried Längle
 

Geist und Existenz 

Zur inhärenten Spiritualität der Existenzanalyse

 

Wird Spiritualität verstanden als Erleben von Unfasslichkeit, von Größen, in denen wir stehen, die uns aber übersteigen, dann wäre Existenz grundsätzlich durchtränkt von Spiritualität, und zwar unabhängig davon, ob sie als solche empfunden wird oder nicht. Daraus kann man folgern, dass auch jede einzelne der Grunddimensionen der Existenz letztlich ebenso auf Unfasslichem beruht und ihr letzter Inhalt uns in seiner Größe übersteigt. Neben diesem Antreffen der Spiritualität in den Strukturen der Existenz findet sich ein Zugang zu ihr auch im prozessualen Vollzug des eigenen Personseins wie auch im dialogischen Austausch. In der Tiefe der Authentizität findet sich der spirituelle Grund im Menschen: die Person. Therapeutisch versuchen wir ihn mit Hilfe der Personalen Existenzanalyse (PEA) in den Lebensvollzug zu heben und in den Dialog zu bringen.Gelingt es, sich diesen letztlich unfasslichen Größen in der Existenz und im Personsein anzuvertrauen, ermöglicht dies einen offenen, erfüllenden Existenzvollzug. Das Fühlen solcher Unfasslichkeit birgt die Gefahr des Ausgesetztseins (Ausgeliefertseins) ebenso wie die Möglichkeit des Aufgehobenseins, und damit Angst und Spannung oder Ruhe und Seinsgelassenheit.

 

Renate Bukovski 

Wachstum aus der Tiefe der Person

Spirituelle Erfahrungen im psychotherapeutischen Prozess

 

 

Psychotherapie kann als Befreiung zum eigenen Wesen verstanden werden. Darin spielen oft auch  spirituelle Erfahrungen eine für die persönliche Entwicklung anregende und bedeutsame Rolle. Diese  Erfahrungen haben einen tiefen Bedeutungsgehalt für die Erlebenden, denn sie berühren sie in der Tiefe ihres personalen Seins. Dies soll anhand von Fallbeispielen aus der existenzanalytischen Psychotherapie aufgezeigt und darin folgenden Fragen nachgegangen werden:
Wann ist im psychotherapeutischen Prozess neben struktureller und prozesshafter Arbeit das Eröffnen spiritueller Räume angezeigt? Wie können spirituelle Räume durch einen phänomenologisch-personalen, imaginativen Zugang eröffnet werden? Was verlangt diese Arbeit von der Therapeutin? Wie können die Tiefenerfahrungen ins Selbst- und Weltbild integriert werden, um zu persönlicher Entwicklung, Steigerung der Lebensqualität und Sinnerfahrung beizutragen? Welche Gefahren bergen spirituelle Erfahrungen, die psychische Prozesse außer Acht lassen? – Und umgekehrt: Welche Gefahren birgt eine psychotherapeutische Behandlung, die die spirituelle Dimension außer Acht lässt?


Markus Angermayr

Was kann ich (psychotherapeutisch) tun, damit „die Sonne aufgeht“?
Existenzanalyse als Erwachen zum Wesentlichen

 
Ausgehend vom Erleben eines erkenntnistheoretischen Unbehagens beim Thema Spiritualität und den Schwierigkeiten, die sich ergeben durch die Übersetzung spiritueller Erfahrungen in Sprache, soll in diesem Vortrag die Bedeutung der spirituellen Dimension für den therapeutischen Prozess herausgearbeitet werden. Dabei ist für den therapeutischen Prozess wichtig, dass es sich beim Spirituellen um ein Erleben handelt – im Gegensatz zu gedachten spirituellen Konzepten – das am eigenen körperleiblichen Fühlen und Spüren verortet wird (Phänomenologie nach innen). Existenzanalytische Psychotherapie verweist auf „etwas“ in uns, das leiblich gespürt wird, ohne schon Worte oder Begriffe dafür zu haben (Personkonzept). Das verweilende Einbeziehen von Körper, Bewegung und Impulsen (primäre Emotion) in den personalen Verarbeitungsprozess unterstützt uns dabei, an dieses innere Wissen (Tiefenperson & Leibgedächtnis) anzuschließen.
Eine Fallvignette von Maya illustriert, wie ein spirituelles Erleben ihr Selbst- und Weltverhältnis berühren kann und die Verarbeitung und Integration des Erfahrenen möglich macht (alle 4 Grundmotivationsebenen betreffend).
Als Themen-Übersicht ist gedacht:
1. Das Unbehagen beim Thema Spiritualität
2. Existenzanalyse als Erwachen zum Wesentlichen
3. Maya: Intimität und spirituelles Erleben mitten in der Angst
4. „In der Sonne sitzen“ mitten in der Praxis

 

Sylvester Walch 

Wege zur Ganzheit
Seelische Integration, transpersonale Transformation und spirituelle Befreiung

 

Das Zusammenwirken von therapeutischen, transpersonalen und spirituellen Perspektiven ermöglicht eine ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Die transpersonale Psychologie glaubt, dass wir von einer Kraft gesteuert werden, die tief in der Seele verborgen ist. Diese innere Weisheit ist nicht nur auf die Persönlichkeit begrenzt, sondern mit dem Seinsganzen verbunden. Häufig stehen wir dieser inneren Stimme mit unserem Ego im Wege. Wenn wir uns jedoch dafür öffnen, können wir unser Schicksal besser verstehen und Hindernisse im Leben als Herausforderungen begreifen. Dann werden Lebendigkeit, Freude und innerer Frieden zunehmen.  

 

Luise Reddemann 

Spiritualität und Trauma

 

Traumatische Erfahrungen erschüttern unser Selbst- und Weltbild zutiefst. Manche Menschen können gerade diese Erfahrungen nutzen, um spiritueller und weiser zu werden. Von ihnen kann man lernen, bei traumatisierten Menschen auf leise Anzeichen zu achten, die auf spirituelle Sehnsucht hindeuten. TherapeutInnen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten, tun gut daran, ihr spirituelles Sein zu pflegen, da es in den Behandlungen um existentielle Fragen, buchstäblich um Leben und Tod, geht. Der Vortrag soll Anregungen geben sowohl für die Wahrnehmung der spirituellen Tiefe, die durch die traumatische Grenzerfahrung angestoßen werden kann, als auch für die Entwicklung der eigenen Sensibilität für Spiritualität, die solche Wahrnehmung und das Arbeiten mit ihr begünstigt.
 

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Symposia & Workshops

Klinische Psychotherapie

Monika Renz 

Grenzerfahrung Gott
Spirituelle Erfahrungen in Leid und Krankheit

 

Spiritualität ist zum Modewort entartet, keiner weiß so recht, was es bedeutet. Dem Begriff wird begriffsgeschichtlich nachgespürt. Er wird hier nicht einfach als vager Ersatzbegriff für Religiosität verwendet, sondern er steht für etwas Hochgeistiges im Zwischen von Mensch und Gott. Spiritualität ist Erfahrung. Sie ist nicht fassbar, kann aber erahnt werden ob dem, was sie bewirkt. In Krisenzeiten kann sie zur Antwort auf zentrale Lebensfragen werden. Einer solchen Spiritualität in der Not wird im speziellen nachgegangen, auch der Frage, was in Leid und Krankheit heilsam ist. Denn Heilsein und Gesundsein sind zweierlei, wie uns schwerkranke Menschen eindrücklich lehren. Schließlich frage ich nach den Inhalten spiritueller Erfahrungen. Entlang des Forschungsprojektes „Grenzerfahrung Gott“ wird auch den Inhalten von spirituellen Erfahrungen nachgegangen. Was genau erleben Menschen von heute, wie umschreiben sie das Geheimnis? Ich spreche von fünf Erfahrungsweisen des Einen, Heiligen, Ganzen.

 

René Hefti 

Seelische Gesundheit und Spiritualität
Rolle und Bedeutung einer authentischen Lebenshaltung

 

Die empirische Literatur enthält zunehmend Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Spiritualität und seelischer Gesundheit. Menschen mit höherer Spiritualität oder Religiosität haben besseres Wohlbefinden, weniger Depression und Angst und bewältigen kritische Lebensereignisse besser.
Wie lässt sich dieser Zusammenhang verstehen? Was sind mögliche Erklärungsmodelle und welche Rolle spielt dabei eine authentische, personal-existentielle Lebenshaltung? Diesen Fragen wird anhand eines integrativen Modells und den empirischen Daten unserer eigenen Patientenpopulation nachgegangen. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Therapie?

Karel Balcar 

Anthropologisches Unbehagen mit der modernen Psychologie

 

Die wissenschaftliche Psychologie hat eine unersetzliche Aufgabe im Erklären der Gesetzmäßigkeiten menschlichen Erlebens und seiner Zusammenhänge in Umwelt, Körper und Handeln. Methodologisch ist sie gut ausgerüstet, um Abhängigkeiten zu entdecken; jedoch Unabhängigkeiten festzustellen ist ihr nicht möglich. Das gilt insbesondere dort, wo Einflüsse zwischen dem Psychischen und dem Körperlichen bzw. Existenziellen bestehen. Psychologische Erklärungen versagen, wenn sie über die Kausalitätsgrenzen hinausgehen, weil sie dann nur Reduktion auf Kausalität sind.
Der paradigmatische Zwang zum Deuten existenzieller Phänomene wird an der Neigung zum Pandeterminismus, Panegoismus und (teilweisen) Panskeptizismus aufgezeigt. – Glücklicherweise lassen sich die Psychologen in der Praxis nicht allzu sehr von ihren eigenen theoretischen Prinzipien behindern und gleichen damit die methodologischen Fehlgriffe des theoretischen Psychologismus aus.

 

Martina Belz 

Verrückt oder erleuchtet?

 

Ausgehend von der Phänomenologie Außergewöhnlicher Erfahrungen (AgE) wird dargelegt, dass sich die Erfahrungselemente von AgE (d.h. paranormaler und teilweise auch spiritueller Erfahrungen) und psychischer Störungen wie sie im DSM IV und ICD-10 gelistet sind, stark überlappen und in gängigen Versorgungssystemen nachvollziehbarer- und gleichzeitig ungerechtfertigter Weise in der Regel auch als Indikatoren für psychische Störungen eingeordnet werden. Dies hat erhebliche Implikationen für die Versorgung dieser Menschen, zumal die Betroffenen in Folge der Erfahrungen häufig irritiert sind, diese nicht in ihr Weltbild integrieren können und daher kompetenten Rat und Hilfe suchen. Im Vortrag wird auf die Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Unterscheidung von AgE (wobei zwischen sogenannten paranormalen und spirituellen Erfahrungen unterschieden  
wird) und Psychopathologie eingegangen. Basis sind Daten von inzwischen nahezu 2000 Menschen, die sich in den letzten zehn Jahren rat- und hilfesuchend an das IGPP gewandt haben.

 

Derrick Klaassen 

Das geistliche Leben trauernder Eltern

 

Der Tod eines Kindes wird oftmals als ein schwerer, ja traumatischer Verlust im Leben der Angehörigen betrachtet und erfahren. Das Ereignis ist vielfach mit komplexen Trauer-Prozessen und manchmal auch Folgeschäden der seelischen Gesundheit verbunden, wie der posttraumatische Belastungsstörung, Depression und sogar einer erhöhten Sterblichkeitsrate bei den trauernden Eltern selbst. Diese Komplikationen sind teilweise darin begründet, dass der Tod eines Kindes, besonders, wenn er Tod unerwartet und /oder gewaltsam eintritt, gegen viele als selbstverständlich angenommene Einstellungen über das Leben verstößt und die natürliche Ordnung auf den Kopf stellt.
Während solcher Zeiten schöpfen trauernde Eltern oft Kraft aus ihrer Spiritualität oder ihrem Glauben, um die Trauer und auch ihr eigenes Dasein zu begründen, und um irgendeinen Sinn im Unerklärlichen zu finden. Basierend auf den Ergebnissen empirischer Forschung und klinischer Beobachtung werden die spirituellen Aspekte trauernder Eltern untersucht. Ihre spirituellen Erfahrungen werden grundsätzlich durch den Eindruck des Verlustes eines Kindes geformt. Sie sind multidimensional, schließen Praktiken, Denkweisen und emotionales Erleben ein und formen die weiterführende Beziehung der Eltern zu den verstorbenen Kindern. Für trauernde Eltern ist Spiritualität keine Flucht vor Leid oder Trauer, sondern kann Hoffnung, Sinn und Gemeinschaft inmitten von Leid ermöglichen. Eine Beziehung zum Göttlichen kann auch trauernden Eltern eine Gelegenheit bieten, ihrer Wut und Bestürzung über den ungerechten Tod ihres Kindes Ausdruck zu verleihen. Im Vortrag werden Schlussfolgerungen für Psychotherapie und Beratung sowie Implikationen für die weitere theoretische und empirische Forschung erörtert.

 

Susanne Ivanek 

Ein Abenteuer zu dritt
Der Unterschied zwischen geistlicher Begleitung und Psychotherapie
Vom Gegen- und Miteinander und von Gemeinsamkeiten beider Disziplinen

 

„Je gründlicher wir diese Bereiche auseinanderhalten, umso besser mag es sein. Wenn wir sie aber klinisch voneinander trennen geraten wir in Gefahr, ... Auf der Strecke bleiben Patient, Glaubende und Suchende.“ (Arnold Mettnitzer, Psychotherapeut und Priester)
Das Benennen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen geistlicher Begleitung und Psychotherapie ist manchmal, sowohl für Hilfesuchende, als auch für Fachleute schwierig.
Ich werde, unter Berücksichtigung von Texten lebender und historischer Autoren sowie aus eigener Erfahrung, Anregungen für die Praxis und für ein besseres gegenseitiges Verstehen geben.

 

Astrid Görtz 

Priester - Heiler - Therapeut
Die spirituellen Wurzeln des Helfens und ihre Gefahren


Von Paracelsus stammt der Satz: „Das Einzige, das heilt, ist die Liebe.“ Paracelsus berührt darin die ganzheitliche, spirituelle Dimension des Heilens. Gilt dies auch für die Psychotherapie? Und wenn ja, welche Gefahren entstehen daraus? Der Vortrag beschäftigt sich eingangs mit einigen Bildern des Heilers in unterschiedlichen Kulturen und Epochen. Dabei wird besonders die Dynamik der Zuschreibungen von Macht und Göttlichkeit beleuchtet, die auf der Seite des Heilenden stets mit der Gefahr von narzisstischen Allmachtsphantasien verbunden sind. In einer säkularisierten und auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft, in deren Rahmen Psychotherapie als Ware angeboten wird und im Anspruch auf Machbarkeit steht, können diese im besonderen Maße verstärkt werden.

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W o r k s h o p s

Susanne Adamek 

Intimität und Schamgrenzen 

 

Unser Empfinden von Intimität ist geprägt durch unsere ersten Bezugspersonen, unsere Familie, durch den Kulturkreis, in dem wir aufwachsen und leben und natürlich auch durch den Zeitgeist.
Welche Grenzen kennen und haben wir heute? Wann erleben wir Intimität als Ort innerer personaler Begegnung? In welchen Lebenssituationen? In welcher Qualität? Wie fühlt sich Intimität an? Wann mögen wir sie, wann nicht?
Dieser Workshop richtet sich an Frauen und Männer, die sich mit dem Thema Intimität und Schamgrenzen in ihrem eigenen Leben, in unserer Gesellschaft und optional im psychotherapeutischen Setting auseinandersetzen wollen – im Liegen, im Sitzen und im Stehen. Ich werde für die Selbsterfahrung einige Übungen anregen, einen Impulsvortag halten, diskutieren  und Sie behutsam und humorvoll begleiten. Das Ziel ist, dass wir über uns selbst und von den anderen lernen. Ich freue mich auf aktive Teilnahme!

 

Markus Angermayr

Connectet with the Essence
Das Wesen berühren - das Eigene und das Andere
Existenzanalytisch-körperorientierte Selbsterfahrung

 

In jedem Augenblick sind wir mit dem Leben und der (Tiefen-)Person verbunden. Tief unter den Bergen von Ordnern, Geschirr oder inmitten vieler Klienten „verschüttet“, fließt in uns eine stille unaufhaltsame Kraft, die unser Leben nährt. Diese Entdeckung führt in ein Staunen: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ (Heidegger) Das Erleben der Verbundenheit mit dieser inneren Quelle wird oft als „spirituell“ bezeichnet.
Dabei ist diese Erfahrung ganz irdisch-erdig verankert und entzieht sich immer wieder dem Versuch einer konzeptionellen Fassung. Aber sie ist erlebbar, hier und jetzt, ganz konkret. Die Selbsterfahrung soll einen Raum und eine Atmosphäre schaffen, die unseren körperlichen / leiblichen Zugang zu dieser Quelle unterstützt. Dabei zeigt sich, welche Bedingungen es braucht, um Wesentliches zu berühren und – wie selbstverständlich – in Kontakt mit dem eigenen Wesen mitten im Alltag zu bleiben. All das beginnt mit einem achtsamen Sich-sein-Lassen und offenen Spüren „ICH BIN“ – ganz leibhaftig und es ist ein zutiefst dialogisch-beziehungsvoller Umgang mit sich.
Dazu möchte der Workshop ganz konkret einladen. Bitte bringen Sie eine Decke (Isomatte), ein Sitzkissen, warme Socken und bequeme Kleidung mit.

 

Gerlinde Artaker

"Ich bin nichts wert..."
Ein Versuch mit unseren eingebrannten Glaubenssätzen anders umzugehen


Sätze, wie: „Ich darf niemandem vertrauen!“, „Die Welt ist schlecht!“, „Stell dich lieber hinten an!“, „Bilde dir nur nicht ein, du wärst was Besonderes!“ schleppen wir, oft schon seit unserer frühen Kindheit, mit uns herum. Sie machen uns unfrei und gehemmt. Manchmal sind  uns die Urheber dieser Botschaften  bekannt, manchmal haben wir keine Ahnung wieso diese Überzeugungen in unseren Kopf gekommen sind. Manchmal sind diese Glaubenssätze unser großes Geheimnis, sie sind tief in uns verborgen, und wir geben uns nach außen selbstbewusst, weil wir uns schämen, dass wir uns eigentlich für wertlos halten, für jemanden  den niemand vermissen würde, für jemanden der zu nichts gut ist. Manchmal ist die Abwertung mehr nach außen gerichtet, und wir halten das Leben eigentlich nicht für lebenswert und meinen, in dieser Welt lohnt sich das Dasein nicht. Wir wollen uns mit diesen hinderlichen Überzeugungen beschäftigen und auch auf jene Glaubenssätze schauen, die uns Kraft und Vertrauen ins Leben geben. Auf der Basis der Modelle von Matthias Varga von Kibed und Insa Sparrer möchte ich unter Einbeziehung von und in Abstimmung mit der Personalen Existenzanalyse einige Strukturaufstellungen vorstellen und erproben.

 

Martina Beltz 

Verrückt oder erleuchtet?

 

Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf der Vermittlung des Beratungs- und  Therapiekonzeptes für Menschen mit Außergewöhnlichen Erfahrungen (AgE). Basierend auf dem Forschungsstand zur Phänomenologie und einem psychophysischen Modellansatz werden einzelne Beratungsstrategien vermittelt und exemplarisch an einem Fall verdeutlicht. Zentrale Vorgehensweise bei der Beratung und in der Therapie von Menschen mit AgE ist die Bedeutungsgenerierung der Erfahrungen. Es wird gezeigt, wie das Finden von Sinn durch eine Entschlüsselung der Phänomensprache und ihrer Symbolik die Integration des bislang Unverstandenen möglich macht.

 

Martin Hötzer

"... Und er weinte bitterlich..."

 

Anhand von Hörbeispielen aus Bachs Passionen werden existentielle wie spirituelle Prozesse dargestellt. An der Rolle des biblischen Petrus in der Leidensgeschichte Jesu werden Themen wie Verrat, Verleugnung, Angst, Trauer, Schmerz, Einsamkeit und  Reue „hörbar“. Aber auch der Gnade, dem Erbarmen und der Stimme des Gewissen verleiht Bach bewegenden Ausdruck.
Über das Hören der Musik und die innere Resonanz soll das eigene Erleben zugänglicher werden. In der Analyse der Hörbeispiele geht es darum, wie Struktur und Dynamik der Musik (Text, Gliederung, Rhythmik, Harmonik und Melodie) diesem Erleben entsprechen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eigene Musikerfahrungen sowie Erfahrungen mit Musik im therapeutischen Prozess auszutauschen.

 

Erich Karp 

"Wenn nichts mehr ist, wie es war...!"
Was gibt Halt? Begleitung von Menschen nach schweren Schicksalsschlägen mit besonderem Blick auf die spirituelle Dimension 

 

Ein Vater wird zur Identifizierung seines Sohnes gerufen. Er war mit seinem Motorrad und hoher Geschwindigkeit auf den Herbstblättern ausgerutscht und gegen einen Baum gefahren.
Eine junge Mutter mit zwei Kindern, 11 und 13 Jahre alt, muss ihren Mann nach zweimonatiger Krebsbehandlung beerdigen.
Als Notfallseelsorger und Berater werde ich immer wieder in solche Situationen geworfen, wo fremde schicksalhafte Kräfte in das Leben eingreifen und Menschen in schwerste Lebenskrisen führen. Inwieweit ist es zulässig, hilfreich oder notwendig, die eigene Spiritualität einzubringen beziehungsweise die des Betroffenen als Ressource zu entdecken? Ich möchte einladen, im gemeinsamen Austausch anhand von erlebten Beispielen dieser Frage nachzugehen und miteinander nach Formen zu suchen, wie dies praktisch umgesetzt werden kann.

 

Kirk J. Schneider 

The Case of Anita:
An Existential-Integrative Inquiry into Death Anxiety, Groundlessness and the Quest for Meaning and Awe

 

This workshop focuses on a clinical case from my “Existential-Humanistic Therapy Over Time” video series produced by the American Psychological Association. The clinical case concerns six sessions with “Anita”, a 48 year old ex-alcoholic who was severely abused as a child and more recently by an ex-husband. She also experienced significant deaths in her family including that of her mother when (when Anita was six), her aunt, and most recently, her brother, who was shot and killed by the police for wielding a knife at the time of our third session.  In this talk and paper, I will discuss the principles of my approach with Anita, which draws upon the tenets of existential-humanistic (E-H) and existential-integrative (EI) psychological theory. This latter modality is one way to understand and coordinate a variety of therapeutic modalities within an overarching existential or experiential context. In particular, I will consider how these E-H and EI principles help us to understand core dimensions of Anita’s struggle that were not immediately apparent at the outset of our contact, but emerged as central by the conclusion of our contact. These dimensions, which pertain to death anxiety, the sense of groundlessness, and the quest for a meaningful and awe-informed life, underlie what I believe are basic challenges for many of our lives, both individually and collectively. I will illustrate my discussion of Anita with excerpts from my APA video and sketch out some implications of this individual work for therapists in the audience (including a demonstration, time-permitting). 

Paul Wyckoff 

Scheu vor Spiritualität
Befreiter Umgang mit Spiritualität in der Therapie 

 

Spiritualität ist ein unterrepräsentiertes Thema in der Therapie. Mit therapeutischer Professionalität, Klarheit und Selbstverständlichkeit werden die meisten anderen Lebensbereiche angesprochen. Doch vor der Frage nach der Spiritualität gibt es scheinbar eine Art Scheu. Diese hat mitunter mehr mit dem/der Therpeuten/in zu tun als mit dem/der Patient/in.
Ziel des Workshops ist es, zu einem freieren und selbstverständlicheren Umgang mit der Spiritualität anderer zu finden. Es werden zunächst in Kleingruppen persönliche Erfahrungen mit Spiritualität thematisiert. Die TeilnehmerInnen sind eingeladen, die ihnen wichtigen Erlebnisse mit Spiritualität, Gott, Religion, Kirche zu beschreiben. Dabei stehen folgende Fragen im Focus: Was hat mich berührt? Wie haben mich spirituelle Erfahrungen geprägt? Welchen Stellenwert haben sie für mich? Wie erlebe ich Spiritualität heute im Alltag?
In der Reflexion darüber, wie es jedem/jeder persönlich beim Erzählen ergangen ist, soll für den Umgang mit der Spiritualität des Patienten/der Patientin sensibilisiert werden.

Hans Zeiringer 

Aufwachen in mein bewusstes Selbst

 

In diesem Workshop möchte ich gerne Ihr ICH ansprechen und mich mit Ihnen auf den Prozess des Aufwachens phänomenologisch einlassen und begleitend darauf Acht geben, wie man das Aufwachen bewusst erfahren kann.
Mittels meiner Sinnesorganisation ist es mir mit zunehmender Wachheit möglich, bewusster wahrzunehmen und zu erleben, was mir mit meinem Sein in doppelter Weise gegeben ist. So kann ich erfahren, wie ich einerseits mit mir und andererseits mit meiner Mitwelt körperlich, seelisch und geistig in Beziehung sein kann. Was sich uns dabei auf der Erlebnis- und Erkenntnisebene eröffnen kann, ist dem eigenen Einlassen vorbehalten.
Ich lade Sie auf eine Reise ein, die uns an das Erleben von Staunen, Dankbarkeit und Achtung heranführen kann.
Für die Teilnahme sind keine besonderen Voraussetzungen erforderlich.  Ein Interesse an der Beziehung und Begegnung mit sich selbst ist förderlich.

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Lebens- und Sozialberatung

Rainer Kinast 

Anregungen der christlichen Spiritualität für eine existenzanalytische Entscheidungsfindung

 

Ein Meister der geistlichen Begleitung war Ignatius von Loyola, der Begründer der Jesuiten. Die Dynamik seiner Übungen (= „Exerzitien“) und die von ihm systematisierte Kunst der Unterscheidung der Geister sind Kostbarkeiten, die auch heute noch aktuell sind. Im Wesentlichen geht es darum, kleine und große Lebensentscheidungen treffen und  seinen eigenen Lebensweg aus einer Lebensbejahenden Spiritualität heraus finden zu können. Auf Grund der phänomenologischen Grundhaltung, mit der Ignatius sein Handwerkzeug entwickelt hat, ist sein spiritueller Ansatz mit der Existenzanalyse gut „kompatibel“.
Dieser Vortrag ist ein Versuch, christliche Erfahrungen von spirituellen Entscheidungsvorgängen in eine verständliche Sprache für existenzanalytische BeraterInnen zu übersetzen. Zwei konkrete Übungen sollen ansatzweise hinführen, worum es geht. Es werden Erfahrungen phänomenologisch beschrieben und konkrete Anregungen für BeraterInnen vermittelt, wie mit den spirituellen Ressourcen von Klienten in Beratungssituationen gearbeitet werden kann (ohne selbst Christ sein zu müssen).

 

Michael Utsch 

Zwischen Spiritual Care und geistlicher Begleitung
Wie umgehen mit spirituellen Bedürfnissen der Ratsuchenden?

 

In vielen medizinischen, beraterischen und psychotherapeutischen Bereichen wird heute die spirituelle Dimension mit einbezogen. In der Versorgung Kranker wird Spiritualität von der WHO als eine anthropologische Kategorie betrachtet. Demnach ist jeder Mensch spirituell, weil er sich spätestens angesichts des Todes existenziellen Fragen stellen muss und Erfahrungen im Umgang damit macht. Der Vortrag belegt das große Interesse an Spiritualität mit fünf Beispielen (Gerontologie, Pflege, Palliativmedizin, Onkologie, Psychotherapie). Die Unterschiede und Spannungen zwischen interreligiös angelegter ‚spiritual care’ und konfessioneller geistlicher Begleitung werden beschrieben, und Hinweise zum professionellen Umgang mit spirituellen Bedürfnissen werden gegeben.

Geertje-Froken Bolle

Wenn Himmel und Erde sich berühren 

 

Wenn Himmel und Erde sich berühren – da klingt hindurch, was in unserem Alltag zugleich unseren Alltag übersteigt. Was ist Spiritualität – Spiritual Care – spirituelle Sehnsucht – die spirituelle Dimension? In der Praxis der Begleitung von Menschen mit Demenz wird das im Konkreten beschrieben, was es heißt, in die Tiefe zu spüren, den unverstellten Bildern der Seele zu begegnen. Dabei werden das spirituelle Bewegtsein im Menschen entlang der Grundmotivationen durchbuchstabiert und Zugänge in der Begleitung von Menschen mit Demenz beschrieben 

Br. Othmar Brüggemann

Spiritualität - Halt, wenn sonst nichts mehr hält

 

In diesem Vortrag will ich zwei Klienten vorstellen, die sich in verzweifelter sozialer und psychischer Situation befanden, und die beide in unterschiedlicher Weise Halt in ihrer eigenen, weit ausgelegten christlichen Spiritualität fanden und nur dadurch am Leben geblieben sind. Sie haben sich im Laufe unserer mehrjährigen begleitenden Gespräche auf die Sinnsuche begeben, haben ihr Leben mit anderen Augen betrachtet und nach eigenen Werten gesucht. Grundanliegen des Vortrages ist es zu zeigen, wie ich als Berater und Begleiter mit der Spiritualität meiner Klienten umgehe, wenn sie diese ansprechen und inwieweit es meine eigene Spiritualität betrifft.

Waltraud Friedewald, Natascha Cieslak

Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten
(Panel-Diskussion mit Impulsreferat)


Spiritualität macht man nicht, sie geschieht. Der inneren Kraft zu vertrauen, können wir uns nicht verordnen, wir können den Boden bereiten – ob sie sich einstellt, ist nicht in unserer Hand. Unseren Teil tragen wir dazu bei, in dem wir unsere eigenen Quellen pflegen. Unseren Teil tragen wir bei in der Beratung:  im achtsamen Umgang miteinander, in der vertrauensvollen Haltung, in Offenheit für das Umgreifende, Größere, Unfassbare, in einer inneren Bezogenheit auf das Andere, das Wunder,  und in Klugheit. Was daraus wird bleibt offen. Wir können säen und hoffen. Wir können das uns Mögliche tun – dies jedoch ganz.

(Es diskutieren: Geertje Bolle, Br. Othmar Brüggemann, Waltraud Friedewald, Rainer Kinast und Michael Utsch; Moderation: Natascha Cieslak)

 

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W o r k s h o p s

Marlies Blersch

Dem Gastgeber sei Dank!

 

Ich bin Gast auf dieser Erde, aber wer hat mich eingeladen, hier zu leben? Wo ist mein Gastgeber? War ich ein angemessener Gast? Habe ich den Gästen auf dem Fest des Lebens genug gegeben? Wem kann ich danken und wofür?
Das Thema Dankbarkeit ist in schwierigen Lebenssituationen eine Provokation. Depression, Ängste, Krisen, Sinnlosigkeit, Trauer und Schmerz bedrängen die Menschen, die zu uns kommen. Da ist für Staunen, Offenheit, Freiheit oft wenig Platz.
Glückliche Momente gibt es dennoch, aber sie sind flüchtig. Die Erfahrung zeigt: diese Momente mit den Methoden des Biographischen und Kreativen Schreiben festzuhalten, verleiht ihnen mehr Gewicht und verändert den Blick.

Karin Rothe-Hasselblatt 

...wenn es soweit sein wird mit mir, brauche ich den Engel in dir...

 

Friedrich Karl Barth beschreibt in seinem Gedicht „im angesicht des todes“ vordergründig ganz konkrete Hand-Reichungen, die in den letzten Lebensstunden und -tagen Not-wendend sein können. In dem wiederkehrenden Refrain bietet er ein Bild der Haltung an, die diesem Tätig-werden zu Grunde liegt.
Dem Begriff von Spiritualität in einem Spannungsbogen von Da-Sein, Ohn-Macht und Kraft-Quelle in der Beratungsarbeit möchte ich in dem Workshop auf die Spur kommen und mich annähern.

 

Renate Ruland 

Spiritualität in der Beratung kirchlich engagierter Menschen

 

Kirchlich engagierte Menschen, sei es als Ehrenamtliche oder Hauptamtliche, erleben sich immer häufiger in einer existentiellen Auseinandersetzung mit sich selbst angesichts der Erfahrungen, Entwicklungen und Bedingungen in der Institution Kirche. Sich öffnen und abgrenzen, sich zuwenden und  abwenden, wohlwollend zulassen oder verwerfen, diese Haltungen wachsen im Zuge dieser Auseinandersetzung. Diese Polaritäten schließen einander nicht aus, und Beratung kann dazu beitragen sich zwischen diesen Polen brückenbauend und balancierend zu bewegen. Andererseits erleben kirchlich Engagierte sich in der Herausforderung, dem eigenen Hunger nach Glaubensidentität und spiritueller Beheimatung zu begegnen und ihr Leben als Christ authentisch zu gestalten.
Der Workshop geht der Frage nach: Welche Bedeutung hat Spiritualität in der Beratung von Menschen in diesem Spannungsfeld? Anhand der existenzanalytischen Strukturtheorie wird das Verhältnis Beratung und Spiritualität erörtert und am Leben und Wirken von Madeleine Delbrel (1904-1964) veranschaulicht.

 

Gerhard M. Walch 

ZEN-Meditation als Weg ganzheitlicher Spiritualität

 

Die gegenstandsfreie Meditation des Sitzens in der Stille (ZAZEN) ist die unmittelbarste Übung des Sich-Aussetzens der augenblicklichen „Wirk“-lichkeit.
Sie berücksichtigt und integriert leibliche, seelische und geistige Prozesse: „Die Haltung, den Atem und das Herz in Ordnung bringen.“ (Yamada Bunryo Roshi).
ZEN fördert die Entwicklung von Achtsamkeit und die Einheitserfahrung (SATORI, KENSHO) mit sich, mit allen fühlenden Wesen, mit der Natur sowie von innerer und äußerer Wirklichkeit.
Obwohl dieser Übungsweg aus dem ZEN-Buddhismus stammt, kann er als Weg ganzheitlicher spiritueller Erfahrung in allen Religionen und Weltanschauungen befruchtend und vertiefend integriert werden: „Die Stille ist die größte Offenbarung“ (Laotse).

In dieser kurzen und praktischen Einführung bekommen wir einen Einblick in die Grundlagen der ZEN-Meditation im Sitzen (ZAZEN) und im Gehen (KINHIN).
Wir lernen die rechte Haltung, Atmung, Wohlspannung und Zentrierung im Bauch-Becken-Raum (HARA) kennen sowie die geistige Sammlung und den Umgang mit Bildern und Gedanken.
Im ZEN üben wir uns in Gelassenheit, Achtsamkeit und Absichtslosigkeit, um diese wesentlichen Daseins-Qualitäten auch in unserem Alltag fruchtbar werden zu lassen.
Erfahrungsaustausch und Fragenbeantwortung dienen zum vertieften Verständnis und zu stimmiger Umsetzung.

 

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Kinder- und Jugendpsychotherapie

Ursula Rataitz 

Spiritualität in der therapeutischen Arbeit mit Jugendlichen

 

In meinem Vortrag möchte ich über die Bedeutung von Spiritualität sprechen und darüber, welche Wichtigkeit diese für den Einzelnen hat und haben könnte. Außerdem möchte ich beleuchten, welchen Beitrag Spiritualität für die Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität auf der Erde leisten könnte. Ich beziehe mich dabei auf die vier Grundmotivationen und versuche, das Bedürfnis nach Spiritualität in diesem Konzept anzusiedeln.
Anhand dieses Konzeptversuchs und der Einbeziehung meiner eigenen Gedanken und Erfahrungen zum Thema Spiritualität werde ich  Möglichkeiten und Ansätze aufzeigen, wann und in welcher Form spirituelle Themen in einer Therapie im Allgemeinen, aber hier im Besonderen mit Jugendlichen Platz haben können.
 

Anita Ziegler 

Spiritualität in der Jugendlichen-Psychotherapie

 

Die Zeit der Jugend ist mehr als jeder andere Lebensabschnitt geprägt von der Suche nach einem das alltägliche Leben umfassenden und ihm Sinn gebenden Lebensentwurf. Misslingt dieses, drohen unter anderem Suizidalität, Sucht und das Abwandern in Sekten.
Ausgehend von der Methodik der Existenzanalyse und Modellen der Spiritualität, die besonders für Jugendliche zugänglich sind, versucht der Vortrag mögliche Wege zur Transzendenz für junge Menschen aufzuzeigen und therapeutische Ansätze für jene Fälle zu finden, in denen die Sinnsuche in die Krise geraten ist.

 

Bergild Gilgenberg 

Spirituelle Praxis
Wie sie Therapeuten bei der Bewältigung ihrer Belastungen hilft und die Achtsamkeit des Patienten fördert.

 

Bis Kinder und Jugendliche in Therapie kommen, haben sie zumeist einen langen Leidensweg hinter sich. Ihre Geschichte kann Therapeuten unter die Haut gehen und sie verführen, sich sehr intensiv zu engagieren und dabei die eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen.
Verschiedene spirituelle Traditionen bieten Methoden an, um Geistesruhe zu entwickeln. Die Achtsamkeitspraxis hat ihre Wurzeln in der buddhistischen spirituellen Praxis. Mit ihr als Bezugsrahmen können wir üben, mit dem Patienten in Beziehung zu treten ohne Erwartung auf eine bestimmte Wirkung und uns dabei annehmend ganz mit ihm zu verbinden. Empirische Studien weisen darauf hin, dass Achtsamkeitsübung den Therapeuten entlastet, ihm Zugang zu vertieften Informationen gibt und in der Folge auch therapeutische Wirkung auf den Klienten aufweist.

 

Annemarie Leeb 

Der Aloha Spirit in der Kindertherapie

 

Einer Legende zufolge kamen vor langer Zeit die Nachfahren der Sternenmenschen auf die Erde mit dem Auftrag Frieden und Harmonie unter die Menschen zu bringen, um auf diese Weise Heilung zu bewirken. Diese von Liebe und Mitgefühl getragene Geisteshaltung, auch als Aloha Spirit bekannt, wurde über die Jahrhunderte durch das praktische Wissen der Hunas, der hawaiianischen Schamanen, weitergetragen. Die Grundprinzipien dieser Lebensphilosophie,   ihre Wirksamkeit und praktische Anwendbarkeit in der Kindertherapie bilden das Kernstück des Vortrags und werden anhand ausgewählter Beispiele verdeutlicht.

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Pädagogik

Daniela Michaelis 

Integrale und Transpersonale Spurensuche...?!
Eine Einladung zum Weiterdenken und Überschreiten von Grenzen im Denken und Handeln

 

Die Frage nach dem Sinn des Lebens hat mich in meinem Leben schon früh beschäftigt. Und es haben mich viele LehrerInnen und Lehrer begleitet auf meiner Suche danach. In dem Buch „Die Babuschkas tanzen in die Pädagogik hinein“ (gemeinsam mit Gerhild Bachmann 2007, ibidem Verlag) habe ich einen Weg gesehen, viele dieser Fragen zu bearbeiten und zu verarbeiten. Es geht in dem Buch um ein Metamodell des Lernens und TIP(s) integraler Lernpraxis.
In diesem Vortrag werde ich den Focus auf die spannende Reise vom personalen zum transpersonalen Bewusstsein legen und was das mit persönlichen Krisen und neuen Lernchancen zu tun haben könnte. Aspekte der Gehirnforschung, des Enneagramms sowie die Unterscheidung von horizontalem und vertikalem Lernen werden uns ebenso beschäftigen, wie die „Spirituelle Intelligenz“ und die „Herzintelligenz“. Ken Wilber mit seinen integralen Denkansätzen und Modellen  geben dem ganzen Struktur und sowohl die Pädagogik als auch die Therapie sind angesprochen, neue Denkwege in einem integralen Verständnis zu beschreiten.

Julia Leinwather 

Spirituelle Räume eröffnen im Schulalltag? 


In der aktuellen gesellschaftlichen Situation ist die Kritik an den LehrerInnen und an deren mangelnder Fähigkeit, sich auf die SchülerInnen einzulassen, weit verbreitet, ebenso aber auch die Klage über die fortschreitend mangelnden Umgangsformen und die materialistische Selbstbezogenheit der Jugendlichen. So erscheint es fast unmöglich, im gegenwärtigen institutionellen Rahmen Schule so etwas wie spirituelle Räume zu eröffnen.
Nach meiner nun 15-jährigen Unterrichtstätigkeit als Religionslehrerin und der damit verbundenen Begegnung mit Kindern und Jugendlichen verschiedenster Altersgruppen kann ich sagen, dass die Bereitschaft und vor allem die Sehnsucht nach spirituellen Erfahrungen deutlich spürbar ist (wobei mit Spiritualität die individuelle Sinnsuche und Erfahrung einer transzendenten Präsenz gemeint ist).
Basierend auf meinen Erfahrungen mit den SchülerInnen, möchte ich Möglichkeiten präsentieren, verschiedene Formen von Stille- und Meditationsübungen auch im Schulalltag anzubieten, die ich als wichtige Entwicklungsbegleitung erachte. Dabei geht es auch ganz wesentlich um den wertschätzenden Umgang mit den Jugendlichen, ihre Würdigung als Person und um die Achtung vor ihren individuellen Empfindungen. Die SchülerInnen dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen Räume zu eröffnen, in denen sie sich selbst erfahren und spüren können, – das ist das wünschenswerte Ziel.

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W o r k s h o p s

Kathleen Noor Gözek, Martha Sulz 

Biodanza und Existenzanalyse - Spiritualität und Intimität

 

Was ist Biodanza? Mit Musik, Bewegung, Berührung und Begegnung entfalten wir unsere Potentiale mittels Übungen auf den fünf Linien „Vitalität“, „Sexualität“, „Kreativität“, „Affektivität“ und „Transzendenz“. Wir kommen mit uns SELBST – DU – WIR – KOSMOS in Kontakt. Das Erleben hat Vorrang vor Wort und Analyse. Biodanza, „die biozentrische Erziehung“, stellt eine Arbeit dar, die der Integration des Menschen, seiner organischen Erneuerung und dem Wiederbeleben und Erleben seiner ursprünglichen Lebensfunktionen dient. Biodanza-Begründer Rolando Toro war chilenischer Psychologe, Anthropologe und Künstler.
Biodanza = das Leben tanzen. Existenzanalyse = ‚auftrennen’ auf erfülltes Leben hin. Was könnten sie miteinander zu tun haben? Das wollen wir in diesem Workshop herausfinden. In einem Dreierschritt werden wir zuerst die Methode „Biodanza“ in einer sogenannten „Vivencia“ zum Kongressthema „Spiritualität und Intimität“ kennen lernen. Im zweiten Schritt gehen wir an die Vertiefung des Erlebten zur Erfahrung, um uns im dritten Schritt an die Reflexion von Gewusstem und Erfahrenem zu machen.
 Wir „tanzen“ barfuß bzw. in Socken. Tanzkenntnisse und Rhythmusgefühl sind nicht erforderlich.

 

Krimhild König 

Alles klingt - Die Gestaltung von Musik, Leben und Unterricht


„Pflege der Musik, das ist die Ausbildung der inneren Harmonie.“ (Konfuzius)
Schon im antiken Griechenland wusste man um die harmonisierende, stärkende und heilende Wirkung von Musik. Auch heute, in unserer schnelllebigen, hektischen Welt, lassen wir uns noch gern von diesem Mysterium berühren und in eine andere Zeit- und Gefühlsdimension entführen.
Im Workshop wollen wir uns den Gemeinsamkeiten von Leben, Unterricht und Musik annähern. Ausgehend vom Erleben der musikalischen Elemente Rhythmus, Melodie und Harmonie betrachten wir diese phänomenologisch und begeben uns auf die Suche nach Berührungspunkten der drei Kategorien sowie deren gestalterische Möglichkeiten. Anregungen für die berufliche Praxis oder den persönlichen Alltag werden gegeben. Neugierde, Offenheit und Mut, sich einzulassen, sind wichtiger als Vorkenntnisse, Können oder Talent!

 

Monika Kuchar

Gestaltung spiritueller Krafttage

 

Der Workshop bietet einen Erfahrungsbericht über die Gestaltung „spiritueller Krafttage“. Anhand praktischer Zugänge zu den Themen „Dasein im Hier und Jetzt – Erfahrung des Seinsgrundes“,  „Was bewegt mich in der Tiefe – Erfahrung des Grundwertes“, „Identität aus dem transpersonalen Selbst“ und „Kontemplation in Aktion“ werden alltagstaugliche Übungen auf der Basis der vier Grundmotivationen erarbeitet bzw. vorgestellt, die gut im pädagogischen Feld angewendet werden können. Diese Zugänge werden durch Texte von MystikerInnen aus unterschiedlichen religiösen Traditionen vertieft.

 

Eva Maria Waibel, Helmut Wegner 

"Verwenen" heißt "zu schlechten Gewohnheiten veranlassen" (oder: "Was zu viel ist, ist zu viel!")
Zur Verwöhnung in der Existenziellen Erziehung

 

Vor dem Hintergrund einer verwöhnenden Gesellschaft gehen wir verschiedenen Formen der Verwöhnung nach. Diese umfasst eine „äußere“ Verwöhnung mit materiellen Gütern, aber auch eine „innere“ Verwöhnung. Bei der inneren Verwöhnung nehmen wir Kindern die Dinge ab, die sie selber tun könnten oder lernen sollten. Was bedeutet diese Form der Verwöhnung aus der Sicht der Existenzanalyse? Welche Auswirkungen hat Verwöhnung auf Kinder und Jugendliche?
Dabei gehen wir von folgenden Thesen aus: Verwöhnung geht an der Person des Kindes vorbei. Sie verfehlt die Person daher in ihrem tiefen Inneren, in ihrer Geistigkeit. Damit behindert Verwöhnung die eigene Entwicklung. 
In diesem Workshop spüren wir eigenen verwöhnten und verwöhnenden Anteilen nach. Außerdem entwickeln wir Möglichkeiten für einen wertschätzenden, aber nicht verwöhnenden Umgang mit Kindern und Jugendlichen.

 

Sonja Zeitner 

Hinführung zur eigenen Spiritualität durch "Meditatives Malen"

 

Malen ist nicht nur ein kreativer Akt, sondern auch eine Möglichkeit der eigenen inneren Gestimmtheit, den Gefühlen und tiefen inneren Prozessen Ausdruck zu geben. Über „Meditatives Malen“ erschließt sich darüber hinaus noch eine andere Zugangsmöglichkeit ins Innere, die zu einer wichtigen Ressource für Leben und Arbeit werden kann.
Durch Atem- und Visualisierungsübungen können wir in eine tiefe Ruhe und zu einem stimmigen Bei-sich-Sein kommen. Dabei kann uns ein Zugang zu einer inneren Quelle gelingen, die wie der „Seinsgrund“ und die „Person“ letztendlich schwer zu fassen ist, von der wir jedoch ahnen, dass es etwas Größeres, (All)Umfassendes, Tragendes gibt, das uns zutiefst innerlich speisen, inspirieren, leiten und erfüllen kann. Gelingt es uns, Wollen und Kognition beiseitezulassen, offen zu werden und uns in uns selbst und in unser Tun zu versenken, so können wir aus dieser inneren Quelle schöpfen. Das „Geschöpf“ wird zum inspirierten „Schöpfer“.
Im Workshop wollen wir versuchen, in das freie, fließende, absichtslose Malen zu kommen und uns dabei mit Hilfe einer zuvor geführten Meditation der inneren Spiritualität anzunähern.

 

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Spiritualität und Religion

Werner Eichinger 

Im endlichen Leben endlich leben!
Ein existenzanalytisch informierter theologischer Versuch

 

Frankls religiöse Letztbegründungen von „Sinn“ und „Wert“ machten nicht-religiösen Menschen die Existenzanalyse / Logotherapie immer wieder verdächtig. Deshalb waren die verschiedenen Versuche innerhalb der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse, sie klarer von religiös fundierten Vorstellungen abzugrenzen, sinnvoll und notwendig. Freilich wurde dabei oft auf Unterscheidungen (Heilung – Heil, Existenzielles – Ontologisches etc.) zurückgegriffen, die Religiöses eher in einem „Jenseits“ verortete. Das machte eine friedliche Koexistenz möglich, aber nahm die anthropologische Wende in Teilen der neueren Theologie nicht zur Kenntnis – und identifizierte Religion weiterhin mehr mit Lehre als etwa mit mystischer Erfahrung.
Dass theologisches Denken seinen Ort nicht einfach „hinter“ oder „über“ dem der Existenzanalyse hat, soll in diesem Vortrag gezeigt werden, der das meist verjenseitigte theologische Motiv des „ewigen Lebens“ wieder erdet. Da berühren sich Existenzanalyse und Theologie – und die Frage nach ihrem Verhältnis stellt sich neu…

 

Bernhard Teuwsen 

Dein Name hat einen guten Klang

 

Namen der hebräischen Bibel sind in besonderer Weise Wegweiser zur Person, zu Tat und Wort, zu Gedanken und Gewohnheiten von Menschen. Sie können uns auf Zärtlichkeit, Gelassenheit, Stärken und Schwächen, Taten und Worte, Gedanken und Gewohnheiten im eigenen Leben verweisen. Dies wird an konkreten Beispielen biblischer Namen im Hinhören und Hinsehen auf die Symboltiefe der hebräischen Sprache aufgezeigt.

Achte auf Deine Gedanken, sie werden Deine Worte.
Achte auf Deine Worte, sie werden Deine Taten.
Achte auf Deine Taten, sie werden Deine Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, er wird Dein Schicksal.
(aus dem Talmud)

Peter Fischer 

Krank machender oder geilender Glaube

 

Im christlichen Glauben geht es um die Vorstellung eines der Welt zugewandten, Mensch gewordenen Schöpfergottes, der das Heil für den Menschen will. Ein solcher Glaube trägt in sich die Möglichkeit eines Lebensgefühls des Getragen- und Gehaltenseins. Die Realität sieht aber oft anders aus. Statt innerer Gelassenheit finden sich häufig Enge und Ängstlichkeit bis hin zur seelischen Deformation. In diesem Vortrag wird aus existenzanalytischer Sicht, aus eigener Praxisarbeit und aus eigenem Erleben ein Weg aufgezeigt, aus einengendem zu einem befreienden Glauben zu gelangen.

Wiebke Dankowski 

Die Botschaft von der Freiheit in der Bibel

 

Der seit einigen Jahrzehnten auch im profanen Bereich gern und dabei sehr schillernd gebrauchte Begriff der „Spiritualität“ hat seinen Ursprung jedoch in der christlichen Theologie und verweist dabei auf das, was dem Heiligen Geist gemäß ist. Biblische Aussagen qualifizieren diesen Geist als den, der lebendig macht im Gegensatz zum tötenden Buchstaben des Gesetzes, oder sie identifizieren ihn sogar mit der Freiheit schlechthin. Die Evangelien wiederum zeigen Jesus in vielen Situationen, wo er Menschen auf die Gaben dieses Geistes anspricht und in die Entscheidung ruft: zu einem Leben in Freiheit und gegen die Angst.
Dieser Vortrag will an ausgewählten biblischen Abschnitten aufzeigen, wie Jesus ad personam et ad situationem in die Freiheit ruft und mit dem jeweiligen Gebunden-Sein konfrontiert, also mit der Angst in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Leitmotiv ist dabei der jesuanische Appell, sehend zu werden, anstatt blind zu bleiben, mithin die innere Abwehr zu überwinden.

Thomas Schukai 

Herzensangelegenheiten


Das Herz, nach jüdisch-christlicher Tradition die Mitte des Menschen, meint den Menschen in seiner Offenheit. Es ist der Ort nicht nur der Gefühle, sondern auch des inneren Gebetes und der Gotteserfahrung. Die christliche Spiritualität erhält von dieser Verortung her ihre Eigenart. Es stellt sich aber auch die Frage, was es therapeutisch und spirituell bedeutet, wenn der Mensch den Zugang zu seinem Herzen verliert.

Joachim Schmidt 

Spirituell ist man unterwegs, nicht angekommen


Als Udo am 22. Juni 2002 morgens gegen 6.00 Uhr starb, geschah etwas ganz  Besonderes. Im Moment des Todes quoll eine unglaublich große Träne aus seinem linken Auge, rollte über die Wange, fiel auf die Bettdecke – und verlor sich. In diesem Augenblick, so empfand ich, war „Gott“ da. Eine tiefe Erfahrung – für Udo und für mich. Udo, an AIDS erkrankt, ein Junkie, von der Straße ins Hospiz gekommen ist, ganz am Ende nochmal Gott begegnet, – sein Begleiter in diesem Moment auch.
Spiritualität ist „Geist erfahren inmitten des Lebens“. auch inmitten des Todes, und Spiritualität ist etwas sehr Intimes. Den Menschen bewegt etwas, von dem er spürt, dass es ihn „unbedingt“, man kann auch sagen „als Person im existentiellen Sinn“ angeht.
Aber ach – die Kirchen!
Seien wir mal in diesem Vortrag – existenzanalytisch pilgernd – unterwegs!

 

Charles Artz

Geistesgegenwart: Über die Achtsamkeit im Alltagsleben


Achtsamkeit, ein zentraler Begriff der buddhistischen Tradition, bezeichnet die Fähigkeit, mit ungeteiltem Bewusstsein einem Eindruck oder einer Begegnung gegenwärtig zu sein. Achtsamkeit entspricht als Haltung einer präsenten Aufmerksamkeit der phänomenologischen Offenheit, die auf das unvermittelt Wahrnehmbare gerichtet ist, um Wesentliches zu erfassen.  In diesem Vortrag wird die Bedeutung der Achtsamkeit in unserem Alltagsleben aufgezeigt. Zugleich werden Hinweise gegeben, die uns zur Achtsamkeit konkret und praktisch anleiten.

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Spiritualität - eine psychologische Sicht aus Russland

Anatoly Krichevets

Formen von Spiritualität in unterschiedlichen kulturellen und zeitlichen Kontexten


Die Tendenz zur positiven Psychologie im ausgehenden 20. und am Beginn des 21. Jahrhunderts wird als Teil der kulturellen und spirituellen Tendenz des zeitgenössischen Europas angesehen. Damit geht die positive Wende in der Psychologie weiter, die mit der humanistischen Psychologie in der Mitte des 20. Jahrhundert begonnen hatte, nun mit einem speziellen Interesse für tiefe Kommunikation zwischen den Personen und der Offenheit von Person zu Person. Insbesondere ist eine solche Wende in der Existenzanalyse zu beobachten. Analoge Tendenzen konnten in der europäischen Philosophie beobachtet werden – die sogenannte kommunikative Wende und das markante Interesse an der Inter-Subjektivität. Diese Veränderungen sind Manifestationen eines Wandels, in dem Formen von Spiritualität bevorzugt zum Zuge kommen

  

Boris Bratus, Natasha Inina

Glaube zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein


In diesem Vortrag wird versucht, das allgemeine psychologische Phänomen von Glauben theoretisch zu ergründen. Der Glaube wird dabei als eine notwendige Komponente einer jeden komplex organisierten menschlichen Tätigkeit und existentiellen Erfahrung verstanden. Es wird die Idee einer ständigen Interaktion zwischen Bewusstem und Unbewusstem in jedem Akt des Glaubens verfolgt, die Gründe ihrer Konvergenz bzw. Konfrontation werden reflektiert. Auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen religiösen und nicht-religiösen Glaubensformen werden eingegangen, zusammen mit ihren Besonderheiten in neurotischen Persönlichkeitsstörungen, Aberglaube und Fanatismus. Abschließend wird eine psychologische Klassifikation von Glaubensformen auf der Grundlage von Bewusstsein und Aktivität des Glaubenden vorgeschlagen.

Elena Ukolova

Das Auffinden einer authentischen Stimme unter den Dialekten der inneren Polyphonie


In den Situationen des Zweifelns beim Treffen von Entscheidungen kann eine Art „Polyphonie der inneren Stimmen“ entstehen. Jede dieser Stimmen motiviert zu einer konkreten Wahl, und oft genug wird die angebotene Variante gut begründet. In diesem Vortrag werden zwei methodische Schritte erörtert, die helfen können, die personale, authentische Haltung zu finden. Als erster Schritt wird die Verbalisierung der inneren Stimmen mit dem besonderen Akzent auf die Nuancen ihrer Intonation vorgeschlagen. Es werden die Intonationen der Stimme des Gewissens, die unter den Dialekten der inneren Polyphonie zu unterscheiden sind, erörtert. Als zweiten Schritt schlägt man der Person vor, zu versuchen, den Grad der Nähe jeder einzelnen Stimme zum intimen, tiefen Ich zu erspüren und einzuschätzen. Es werden Beispiele zu den genannten Schritten für die Anwendung in der Beratung und im Alltag angeführt.

Vladimir Shoumskij

Die Dreifaltigkeit: Ein Blick auf die geistige Dimension des Menschen in der Existenzanalyse


In seiner Arbeit „Der unbewusste Gott“ schreibt V. Frankl, dass aus der Sicht eines religiösen Menschen hinter dem Gewissen die „transzendente Instanz“ oder das „Du Gottes“ steht. Gelichzeitig behauptet er in verschiedenen Arbeiten, dass das Gewissen den Menschen irreführen kann, und, da das Gewissen eine rein menschliche Qualität ist, kann das Gewissen dem Menschen auf den Holzweg bringen. Diese Auffassung der Stimme des Gewissens lässt sich schwer mit der Einstellung zu Gott als einem, der sich irren kann, vereinbaren.
Wenn man von L. Feuerbachs These ausgeht, dass Gott eine Projektion der Potentialität des Menschen nach auβen sei, kann man die geistige Realität des Menschen als eine  Dreieinigkeit betrachten: das handelnde und Entscheidungen treffende Ich – der Sohn. Die Tiefenperson – der Vater (das Gewissen, die kreativen Impulse, die Fähigkeit zur Liebe, die phänomenologische Wahrnehmung, die höheren Emotionen). Der Geist – eine Kraft, mit der im Menschen Sohn und Vater sprechen. Von den verschiedenen Deutungen der Dreifaltigkeit durch das westliche und östliche Christentum – das östliche sieht nur den Gottvater als Quelle des Heiligen Geistes, während das westliche Christentum sagt, der Heilige Geist komme auch vom Sohn Gottes – lässt sich ein charakteristisches Merkmal der russischen Mentalität ableiten, das sich in der Passivität und Unterwürfigkeit den Autoritäten gegenüber zeigt. In dem Vortrag werden auch Ergebnisse einer phänomenologischen Betrachtung der bekannten Ikone von Andrej Rubljew „Die Dreifaltigkeit“ durch Studenten präsentiert.

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